GUEM foto webMichaelSinger

Abdelmadjid Guemguem wurde am 9.März 1947 in der nordalgerischen Stadt Batna geboren. Er wuchs in einem von traditioneller Musik und Trancerhythmen geprägten Umfeld auf.

Als er mit sechzehn Jahren nach Frankreich ging, hatte er eigentlich vor Profifußballspieler beim Pariser FC Red Star zu werden, musizierte nur in seiner Freizeit, auf Privatfesten und in Cafés – bis er am 14. Juli 1966, bei einem “bal populaire“, das erste Mal auf einer größeren Bühne stand. Eine Premiere, die allen Beteiligten gefiel und die nicht ohne Folgen blieb: Ein Jahr lang tourte er an den Wochenenden mit der Formation "Le Moulin Rose“ durch Frankreich.

AMERICAN CENTER IN PARIS

Den wirklich entscheidenden Impuls für die Karriere als Musiker, und auch als Tänzer, brachte aber 1970 das Engagement im American Center in Paris. Der junge Perkussionist begleitete Tanzkurse, befasste sich mit unterschiedlichen Rhythmen und Tanzstilen. Er spielte im Intercommunal Free Dance Orchestra von François Tusques und arbeitete für Jazz-Größen wie Michel Portal oder Steve Lacy, und die Chansonsängerin Colette Magny.

VOM SIDEMAN ZUM SOLISTEN

Auf der Suche nach einem Künstlernamen dachte Abdelmadjid Guemguem kurz daran, sich auf der Bühne „Mad“ zu nennen, allerdings war das - englischsprachlich gesehen - doch nicht die beste Idee. Die Musikerkollegen hielten ihn ohnehin für ein wenig verrückt, nachdem er angekündigt hatte, Konzerte ausschließlich mit Percussion-Instrumenten zu bestreiten. Seine Ambition: Djembe, Conga & Co. einen neuen Stellenwert zu verleihen, der über den traditionellen Rahmen und ihre Funktion als Begleitinstrumente hinausgeht. Auf der Bühne und im Aufnahmestudio bewies er, dass die Trommeln "singen können". Je voulais faire chanter les tambours... 1978 produzierte er gemeinsam mit seinen Schülern des American Center das legendäre Album "Guem et Zaka" - sein erster großer Erfolg als Solist.

Heute gilt „der Mann mit den goldenen Händen“ als unumstrittene Autorität in der internationalen Percussionszene - und die „künstlerische Hälfte“ seines Familiennamens als Markenzeichen virtuoser Trommelkunst.

Seit den 1970er Jahren lebt GUEM in Paris.

STORYTELLING

Der Autodidakt GUEM liest und schreibt keine Noten, alle „Partituren“ hat er im Kopf. Als Erinnerungshilfe dienen die Titel seiner Kompositionen, und die Geschichten, die ihnen zugrunde liegen. Sie handeln von tosenden Wasserfällen und Donnergrollen, Sandstürmen und Wüstenrosen, Kampfhähnen und - friedlichen - Schlangen. 

zSPlu0vYGUEM: Le Serpent
Ein Mann spaziert durch den Wald, sieht eine Schlange, geht ihr nach, verliert sie aus den Augen, bleibt stehen, entdeckt sie wieder, folgt ihr…

zSPlu0vYGUEM: Riacho
Riacho erzählt den Lebensweg eines Flusses, die Entwicklung vom kleinen Bach zum rauschenden Wasserfall bis zum Eintritt ins Meer.

 

REISELUST

GUEM besuchte nicht nur die klassischen Djembe-Gebiete wie Senegal, Mali, die Elfenbeinküste und vor allem Guinea, sondern u.a. auch den Libanon, Ägypten, Algerien, Tunesien, Brasilien, Kuba oder Haiti. Während eines sechsmonatigen Brasilienaufenthalts in den 1980er Jahren produzierte der reisefreudige Musiker, gemeinsam mit lokalen Perkussionisten, das Album O universo ritmico, das die Verwurzelung der brasilianischen Musik in den Rhythmen Afrikas akustisch belegt und verdeutlicht. 

Eine Art musikalisches Reisetagebuch ist das 2007 entstandene Album Couleurs pays, auf dem GUEM Rhythmen aus siebzehn Ländern präsentiert, darunter Haiti, Tunesien, Algerien, Ägypten, Mexiko, Senegal, und der Niger – neben Mali das Land seiner Vorfahren.

DER PULSSCHLAG VON PARIS

Für das 2012 veröffentlichte Album Mon Paris hat GUEM die Atmosphäre jedes einzelnen der zwanzig Pariser Bezirke eingefangen und rhythmisch umgesetzt. Jedem Arrondissement sind ein Tier und ein abstrakter Begriff zugeordnet. Der Puma, Track 7, etwa steht für Kraft und Macht und somit für das 7.Arrondissement mit seinen zahlreichen Ministerien und der Assemblée Nationale. Der Gepard - die Nummer 1 unter den sprintenden Säugetieren - symbolisiert das hektische Treiben im 1. Arrondissement. Eine detaillierte Beschreibung aller Stücke in deutscher Sprache kann unter info@stimmeundsprache angefordert werden. Das Album ist eine Hommage an die Wahlheimat, "die schönste Stadt der Welt".

LA MUSIQUE ET LA DANSE AVANT TOUTE CHOSE

Auf der Bühne widmet sich GUEM exklusiv den Percussion-Instrumenten, privat spielt er auch Violine, Gitarre, Oud und Hang. Und er betont immer wieder die Wichtigkeit des Tanzens, auch für Männer! Ob musizierend oder tanzend, GUEM fasziniert sein Publikum stets von neuem durch die breite Palette seines Könnens. „GUEM ist einer der wenigen Perkussionisten, vielleicht sogar der einzige, der alle Rhythmen der Welt drauf hat“, meinte der Musikmanager Erwin Kiennast, nachdem er GUEM beim Afrika Frühlingsball 2010 auf der Bühne des Parkhotels Schönbrunn erlebt hatte.

STETS AUF DER SUCHE NACH NEUEN TÖNEN

Die Rhythmen Afrikas sind die Basis seiner Musik - und Ausgangspunkt für ein künstlerisches Schaffen, das von Innovation und Experimentierfreude geprägt ist. GUEM sieht sich als „Tonsucher“: „Ich suche immer neue Techniken, neue Klänge, neue Töne. Ich will immer etwas Neues finden, um es einzubauen.“

zSPlu0vYGUEM: Darabouka-Solo
Das Publikum fragt sich manchmal, woher die Töne überhaupt kommen…

In nicht frankophonen Ländern wird oft die Frage gestellt, wie der Name GUEM auszusprechen sei. Die Antwort: „à la française“, ohne U, also GEM. Die Fans in Brasilien oder in Spanien allerdings sprechen das U aus, was auch oft bei der jüngeren Generation in Frankreich zu beobachten ist…

Der Name hat vielleicht etwas mit der dreisaitigen Laute namens Guembri (Gimbri) zu tun, die - wahrscheinlich aus Guinea - mit den Gnawa nach Marokko kam und auch in Tunesien und in Algerien gespielt wird. Die Gimbri wird nicht nur als Saiteninstrument, sondern oft auch als Trommel verwendet. Das heißt, dass man mit ihr trommeln und gleichzeitig auch Töne spielen kann.


EINE LEIDENSCHAFT MUSS MAN EINFACH TEILEN  

GUEM ist ein engagierter Pädagoge, der mit Geduld und Humor sein reiches Wissen und seine leidenschaftliche Liebe zu Tanz und Musik weitergibt. „Une passion, ça se partage. Le rythme appartient à tout le monde (Der Rhythmus gehört uns allen)" lautet sein pädagogisches Credo. Er unterrichtet Danse africaine, Danse orientale, Afro Samba, Rythmes corporels sowie alle Arten von Percussion, u.a. am Centre des Arts vivants in Paris.

RHYTHMENPRÄSENTATION

Die "geographische Rhythmenpräsentation" - ein neues Format, das Vortrag und Konzert kombiniert. 
Video coming soon!